Das „Volk ohne Raum“: DÜGIDA mit Standortproblemen

Die 19. DÜGIDA-Demonstration am 30. Oktober 2015

Knapp über 40 DÜGIDA-AnhängerInnen waren am 30. Oktober auf einem von der Polizei abgesperrten Abschnitt vor den Schadow Arkaden in unmittelbarer Nähe zur Düsseldorfer Königsallee erschienen, um einmal mehr das „Abendland“ zu retten und vor der angeblichen Gefahr einer „Islamisierung“ und eines gezielten „Austausches“ der „angestammten Bevölkerung“ gegen „Fremdländische“ zu warnen, wie einer der Redner betonte. Doch als Versammlungsleiter Frank Borgmann (Wuppertal) die Kundgebung eröffnen konnte, war es bereits 20:25 Uhr, der eigentliche Beginn hätte wie immer bereits um 19:00 Uhr sein sollen.

Warten auf die Führung

Eineinhalb – die meisten sogar fast zwei – Stunden hatte das DÜGIDA-„Volk“ auf das „Orgateam“ warten müssen, das sich zwar weniger als 100 Meter entfernt aufhielt, aber mitsamt Lautsprecheranlage, Transparenten und Fahnen in einer Blockade von GegendemonstrantInnen fest saß und sich demütigen lassen musste. Melanie Dittmer (Bornheim), Katrin Kersten (Mönchengladbach), Dominik Lüth (Stolberg), René Müller (Eschweiler) und Dominik Perret (Duisburg) mussten im Lüthschen Citröen-Van ausharren, bis ihnen die polizeilichen Einsatzkräfte recht ruppig einen Weg durch die Blockade bahnten. Das DÜGIDA-Volk jubelte und skandierte: „Danke Polizei“.

Nur Kundgebung erlaubt

Es blieben also nur noch 65 Minuten für die bis 21:30 Uhr angemeldete Versammlung. Eine Demonstration hatte die Polizei schon im Vorfeld ohne jede veröffentlichte Begründung untersagt, ein Verbot, das von Anmelderin Dittmer überraschenderweise und mit angeblichem Verweis auf die ansonsten nicht gewährleistete Sicherheit der TeilnehmerInnen akzeptiert wurde. „Die Düsseldorfer Antifa“ und „Düsseldorf stellt sich quer“ hätten vor, sich mit „den Fortuna-Fans in der Düsseldorfer Altstadt zusammen zu tun und uns massiv zu behindern“. Der Grund für das Akzeptieren des Verbots könnte aber auch eine zeitgleiche Demonstration unter dem Motto „Mönchengladbach steht auf. Für unsere Familien, unsere Kinder und unsere Heimat“ mit gleicher inhaltlicher Stoßrichtung in Mönchengladbach gewesen sein, da von vornherein klar war, dass nicht viele kommen würden, da einige DÜGIDA-Stammgäste wohl lieber nach Mönchengladbach fahren oder dort bleiben wollten. Dennoch wurden es etwas mehr TeilnehmerInnen als eine Woche zuvor am Worringer Platz: ein bisschen NPD, noch weniger „pro NRW“, AnhängerInnen der Dittmerschen „Hausmacht“, also der „Identitären Aktion“, und das hinlänglich bekannte Spektrum aus besorgniserregenden BürgerInnen und AnhängerInnen von Verschwörungstheorien.

RednerInnen 2.0

Als Hauptredner durfte nach der Anmoderation durch Borgmann erstmals der Duisburger NPDler Ulrich Lehnen ans Mikro, der als Verursacher des bereits erwähnten „Bevölkerungsaustausches“ und der „Zersetzung“ Deutschlands planmäßig vorgehende „fremde Mächte“ ausmachte, welche die „Invasion“ steuern würden. Ob er damit die USA, Israel oder die USA und Israel meinte, ließ er offen. Seine Rhetorik unterschied sich jedenfalls durch nichts von neonazistischen Verschwörungstheorien von einer angeblichen „jüdischen Weltherrschaft“, die nur eines im Sinn habe: Deutschland durch einen „Volkstod“ zu zerstören. Nicht etwa durch den Einsatz militärischer Mittel, sondern durch die gezielte „Zufuhr“ von sich rasch vermehrenden „Fremdländischen“. Hierfür würden sogar Kriege geführt, um Fluchtursachen zu schaffen.
Nach Lehnen übernahm Katrin Kersten für eine kurze, zirka zweiminütige Rede das Mikro. Nach ihr steuerte noch ein namentlich nicht vorgestellter DÜGIDA-Stammgast, der gerne auch an „pro NRW“-Aktionen teilnimmt, eine Rede über das „Böse“ bei, auch für ihn war es die erste DÜGIDA-Rede. Er lehne unter anderem Gender-Mainstreaming und alles, was damit zusammenhänge, strikt ab. Denn das „Gerede“ über Gender würde junge Männer im Prozess ihres Mann-Werdens stark behindern und irritieren, mit Folgen, die bis hin zu psychischen Störungen reichen würden.
Als letzter „Redner“ durfte der Düsseldorfer Neonazi-Skin Christian Naujok ans Mikro, dem es wichtig war, lautstark zu betonen, dass „die Bösen“ die anderen – er meinte die GegendemonstrantInnen – seien und nicht TeilnehmerInnen der DÜGIDA-Aktionen. Diese Aussage wiederholte er einige Male, um nach etwa zwei Minuten seine umjubelte „Rede“ zu schließen.

Das „Volk ohne Raum“

Nach nur 50 Minuten war dann alles auch schon wieder vorbei, bis auf Musik aus der Konserve – zum Beispiel das zu den genannten Verschwörungstheorien passende Lied „Wenn der Wind sich dreht“ von Annett Müller, besser bekannt unter ihrem Geburtsnamen Annett Moeck – und die von Borgmann dem „Volk“ verkündete Ankündigung Dittmers, in Zukunft die Schadowstraße/Blumenstraße für Aktionen – ebenso wie den Worringer Platz – zu meiden, da dieser „ungeeignet“ sei. Für das nächste Mal (6. November) würde sie einen „bürgerlichen Stadtteil“ auswählen, in dem tatsächlich noch „Bürger“ ansprechbar seien. Schon am nächsten Vormittag war Dittmer auf „Bürger“-Suche, dieses Mal aber außerhalb von NRW. Unter anderem gemeinsam mit Kersten, Müller und dem „pro NRW“-Vize Dominik Roeseler ging es ins rheinland-pfälzische Kaiserslautern zu einer Demonstration des PEGIDA-Ablegers „Patriotische Europäer sagen Nein“ (PesN).