„DÜGIDA“: 19 weitere Aktionen angekündigt

Die 18. DÜGIDA-Demonstration

Gerade einmal 35 AnhängerInnen von DÜGIDA versammelten sich am 23. Oktober 2015 auf der Kölner Straße, wenige Meter südlich der Kreuzung mit der Erkrather Straße und des Worringer Platzes.

Das „Volk“

Noch um 19:20 Uhr, also 20 Minuten nach dem offiziellen Beginn der 18. von Melanie Dittmer angemeldeten DÜGIDA-Demo, waren es sogar nur 29 AbendlandretterInnen gewesen, die ohne Führerin und Versammlungsleiter der Dinge harrten, die da kommen würden. Unter ihnen wie immer auch einzelne NPDler, beispielsweise Ulrich Lehnen aus Duisburg und die Bredereck-Brüder aus dem Rheinkreis Neuss. Auch eine kleine Delegation des „Nationalen Widerstands Duisburg“ um Sascha Johnson hatte den Weg nach Düsseldorf gefunden. Der Düsseldorfer NPD-Kreisvorstand war dieses Mal nicht vertreten, DÜGIDA-Dauergänger Kurt Schöfisch schien verhindert zu sein, sein Kreisvorsitzender Andreas Büchner wurde sogar schon seit mehreren DÜGIDA-Demonstrationen nicht mehr gesehen. Aus ihrem Umfeld war unter anderem DÜGIDA-Stammgast Sven Böhme vor Ort, der sich erstmals als Einpeitscher am Megafon versuchte. Von der angeblich bürgerbewegten Partei „pro NRW“ ließ sich überhaupt niemand blicken. Offenbar wird hier die von Christopher von Mengersen vom Parteivorstand angemeldete KÖGIDA-Aktion am Sonntagnachmittag in Köln vorgezogen, die vermutlich rechten Hools nach der HOGESA-Kundgebung „Köln 2.0“ doch noch einen Marsch durch die Stadt ermöglichen soll.

Die „Führung“

Während sich also „das Volk“ die Füße platt stand und sich von GegendemonstrantInnen verhöhnen lassen musste, verweilte die DÜGIDA-Führung etwas außerhalb der polizeilichen Wagenburg vor einem Geschäft für Fest- und Vereinsartikel, u.a. Karnevalsausrüstungen (siehe http://www.report-d.de/Duesseldorf/Aktuelles/Absurd!-Weniger-als-30-Duegida-Hetzer-legen-ueber-Stunden-den-Verkehr-in-Duesseldorf-lahm-50413), im schwarzen Citroën-Van von Dominik Lüth („Klavierfront“) aus Stolberg (Städteregion Aachen) und forderte von der polizeilichen Einsatzleitung den angemeldeten Worringer Platz als Versammlungsort. Erwartungsgemäß vergeblich, dafür aber wurden Dittmer und Co. von GegendemonstrantInnen umringt und mussten unter Polizeischutz den Rückzug antreten, um erst kurz vor 19:30 Uhr wieder aufzutauchen und die Technik aufzubauen. Mitgebracht hatten Dittmer und Lüth noch Dennis Vogt von der NPD Krefeld, René Müller von der „Identitären Aktion Aachen und Euregio“ sowie Katrin Kersten – so zumindest nennt sie sich bei Facebook –, Nachwuchsaktivistin der „Identitären Aktion Niederrhein“ und Dittmer-Jüngerin aus Mönchengladbach. Der ehemalige „pro NRW“-Parteigänger Frank Borgmann aus Wuppertal, einer von zwei „Aktiven Patrioten“, der entgegen eigener Bekundungen vom 16. Oktober doch wieder von der Polizei als Versammlungsleiter akzeptiert worden war, eröffnete die Veranstaltung. Als Protest gegen die polizeiliche Verschiebung des Kundgebungsortes kündigte er fünf weitere DÜGIDA-Aktionen „während der Weihnachtszeit“ in der Altstadt an. „Report-D.de“ berichtet aktuell im Internet, Dittmer habe zuvor angekündigt, „zur Strafe an jedem Weihnachtsfeiertag in der Altstadt demonstrieren zu wollen“.

Auftakt und „Spaziergang“

Da Melanie Dittmer ebenso wie der wegen Beleidigung des NRW-Innenministers in erster Instanz verurteilte Wolfgang Sturm polizeilicherseits wieder einmal mit einem Redeverbot belegt worden waren, und zudem Manuela Eschert von „infidels Deutschland“ ebenso abwesend war wie Ariane Meise vom NPD-Landes- und Bundesvorstand, Rainer Händelkes („Bürger Rainer“) von der NPD Krefeld und „Bürger Heinz“ aus Düsseldorf, wurde es eng mit Redebeiträgen. Zumal Frank Borgmann zwar gerne länglich über sich selber schwadroniert, bisher aber keine einzige tatsächliche Rede beigesteuert hat. Also musste Katrin Kersten ran, die zur Zeit auf anstehende Führungsaufgaben vorbereitet wird, ihre Aufgabe aber eher schlecht als recht bewältigte. Weitere RednerInnen hatte DÜGIDA am 23. Oktober nicht zu bieten.
Es folgte der obligatorische „Spaziergang“ bis zum Oberbilker Markt und zurück, „Ali, Mehmet, Mustafa – geht zurück nach Ankara!“, „Ist der Ali kriminell, in die Heimat, aber schnell“ und andere Parolen skandierend und mit zwischenzeitlichen Stopps, um protestierende AnwohnerInnen wegen angeblicher Beleidigungen und wegen „Schubsens“ anzuzeigen. Nichts Neues also. Und das war es dann auch schon, sieht man einmal von den üblichen „Wir kommen wieder“-Ritualen ab.

4 plus 10 plus 5

Aufmerksame LeserInnen werden mitgezählt haben: vier bereits terminierte und beworbene DÜGIDA-Demos bis Jahresende (30. Okt. und 6. Nov. ab Worringer Platz, 20. Nov. und 18. Dez. ab Hbf), plus zehn zusätzliche als Disziplinierungsmaßnahme für die Polizei wegen angeblich unzureichender Aufnahme von Strafanzeigen am 2. Oktober angekündigte Demonstrationen, plus oben genannte fünf weihnachtliche Aktionen: DÜGIDA möchte demnach Düsseldorf noch mindestens 19 Mal mit ihrer Anwesenheit beehren. Und ruft zudem zur Teilnahme an der HOGESA-Demonstration am 25. Oktober in Köln sowie an einer Demonstration „Düsseldorfer Bürger gehen auf die Straße gegen Flüchtingsirrsinn“ am 7. November auf dem Burgplatz in der Altstadt auf.

  • Update 1 vom 25. Oktober 2015:
  • Man habe für den 30. Oktober, 6. November, 4. und 11. Dezember sowie für alle fünf Freitagabende im Januar „Dügidas nachgemeldet“, teilte DÜGIDA-Anmelderin Melanie Dittmer am 24. Oktober mit. Auftakt sei jeweils um 19 Uhr an der Heinrich-Heine-Allee, Ecke Theodor-Körner-Straße, die Route führe durch die Altstadt. Damit würde DÜGIDA bis Ende Januar noch elf Mal laufen wollen. Neun Mal auf einer noch nicht mit der Polizei abgeklärten Altstadtroute (inkl. der für den 30. Oktober und 6. November ursprünglich für den Worringer Platz angekündigten und jetzt verlegten Auftritte) und zwei Mal (20. November und 18. Dezember) auf der alten „DÜGIDA 2.0“-Route vom 18. September und 16. Oktober, also ab Hauptbahnhof über den Graf-Adolf-Platz und die Bastionstraße. Bis Ende Januar würden also nur die Freitage am 13. und 27. November sowie der 25. Dezember DÜGIDA-frei bleiben. Von den fünf angekündigten Auftritten während der Weihnachtszeit scheint DÜGIDA wieder Abstand genommen zu haben, offenbar wurde die sich nicht als Christin verstehende Dittmer von ihrem christlichen Umfeld von der Unsinnigkeit eines solchen Vorhabens überzeugt.

  • Update 2 vom 27. Oktober 2015:
  • DÜGIDA vermeldete heute eine weitere Verlegung des Auftaktes der nächsten Veranstaltungen. Demnach sollen die Versammlungen am 30. Oktober und 6. November jeweils um 19 Uhr an der Ecke Steinstraße/Berliner Allee beginnen.
    Laut Zeitungsangaben1 wolle die Polizei keine konkreten Angaben zur Marschroute der Rechtsaußen-Gruppierung machen. Die Polizei bestätigte, dass wöchentliche Demos bis Ende Januar angemeldet seien. Nach übereinstimmenden Medienangaben sei die Altstadt aber nicht davon betroffen.2

  • Update 3 vom 29. Oktober 2015:
  • Das Polizeipräsidium Düsseldorf hat den angemeldeten Aufzugsweg von DÜGIDA – „nach Prüfung der Sach- und Rechtslage“ – untersagt. Der Rechtsaußen-Gruppierung sei am 30. Oktober lediglich eine stationäre Kundgebung an der Blumenstraße Ecke Schadowstraße gestattet. Melanie Dittmer teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass sie nicht gegen das Aufzugsverbot klagen werde.3

    1. [1] http://www.derwesten.de/nrz/staedte/duesseldorf/duegida-will-jetzt-in-die-altstadt-id11221212.html [zurück]
    2. [2] http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/rechtsextreme-duegida-will-jetzt-in-die-city-1.2047039 [zurück]
    3. [3] http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/polizei-verbietet-aufzug-der-duegida-1.2048299 [zurück]