Melanie Dittmer: eine extrem rechte Aktivistin unter der Lupe – Teil II

Zur Dokumentation: Artikel von Fanny Schneider, lotta-magazin.de.

„Du bist unser Führer“

Melanie Dittmer: eine extrem rechte Aktivistin unter der Lupe – Teil II

Neonazi-Aktivistin Melanie Dittmer braucht zu ihrer Inszenierung offenbar vor allem sich selbst. Szenen-Applaus erwünscht, das Drehbuch schreibt der Aberwitz. Neben narzistisch anmutenden Selbstdarstellungen gehören aber auch handfeste Machtfragen im extrem rechten Spektrum in NRW zum Programm. Fragmente eines Bühnenstücks.

„Ich kann das …“ oder übersetzt: Ich mache das einfach. Mit dieser Selbstdarstellung hat sich Melanie Dittmer schon vor nunmehr dreizehn Jahren hervorgetan. Seit Mitte der 1990er Jahre ist Dittmer Aktivistin in extrem rechten Zusammenhängen in NRW, seit Dezember 2014 Anmelderin zahlreicher Demonstrationen im Rheinland gegen die angebliche „Islamisierung“ ihres „Abendlandes“. Damals, 2001/2002, war ihr Mitwirken in einem Neonazi-Aussteiger-Theaterprojekt, einer „Hamlet“-Inszenierung des Regisseurs Christoph Schlingensief, gegen ihren Wunsch zu einem vorzeitigen Ende gekommen. Denn was als provokante Theater-Inszenierung unter Beteiligung vermeintlicher Neonazi-Aussteiger_innen gemeint war, hatte Dittmer ganz offen als Bühne für eine Diskussion ihrer politischen Identität zu funktionalisieren versucht. Nichts mit „Ausstieg“, nur Theater. Rückblickend äußerte Dittmer 2002, dass es ihr „von Anfang an nicht darum“ gegangen sei, aus der Neonazi-Szene „auszusteigen“. Allein das „Ich kann das, nun setzt euch auch mit mir/uns auseinander“, so ihr O-Ton, war entscheidend: Sie wollte die Auseinandersetzung, verlangte nach Bühne – und hätte sie fast bekommen. „Ich kann das“ und der Hang zur Inszenierung sind auch heute die Grundbausteine dessen, was von Dittmer seit Herbst letzten Jahres wieder wahrnehmbar ist. Denn nachdem sie über Jahre als politische Aktivistin nicht öffentlich in Erscheinung getreten war, einigen sogar als reflektierte „Aussteigerin“ und eher fortschrittlich galt, tauchte sie 2014 als Aktivistin der „Identitären Bewegung“ wieder auf. Ein Auftritt jagte den nächsten, konspirativ organisierte Plakataktionen, Protestaktionen gegen Geflüchtete und deren Unterstützer_innen: „Mel Hunter“ – wie sie sich bei „Facebook“ nennt – war wieder da, hatte sich wieder eingeklinkt in die extreme Rechte. Offen blieb im Herbst 2014 nur, welche Bühne sie auf ihrem weiteren Weg würde nutzen können.

Life on stage: „DÜGIDA oder: Eine konkurrenzlos mutige Frau?“

Anfang April 2015, nach seit Jahresbeginn nunmehr elf sogenannten „Abendspaziergängen“ der PEGIDA-NRW-Abspaltung „Düsseldorf gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (DÜGIDA) durch die Düsseldorfer Innenstadt, ist klar, dass sich Dittmer diesmal als Regisseurin und Hauptdarstellerin des Neonazi-, (Nachwuchs- und Möchtegern)Hooligan- und extrem rechten Parteien-Spektakels in Szene zu setzen weiß. Bis heute fungiert sie als Anmelderin, bis Anfang März auch als Versammlungsleiterin der allmontäglich rund um den Hauptbahnhof stattfindenden DÜGIDA-Auftritte. In den Augen der Düsseldorfer Polizei hat sie ihr „ich kann das“ jedoch lange überspannt: Seit dem 9. März unterliegt DÜGIDA der polizeilichen Auflage, dass nicht Dittmer selbst als Versammlungsleiterin und Rednerin auftreten darf. In den vorangegangenen Wochen hatte sie etwa entlang der Demoroute, die zwei Mal auch an einer Moschee vorbeiführte, DÜGIDA-Teilnehmer_innen wiederholt zu Propaganda-Delikten aufgestachelt, Anwohner_innen bedroht und diese als „Volksschädlinge“ bezeichnet oder Videoaufnahmen von Beamten des Polizeilichen Staatsschutzes im Internet hochgeladen. In Reaktion auf die polizeiliche Auflage inszenierte sie sich am 9. März nun als Opfer staatlicher Willkür, bezichtigte Polizei, „Lügenpresse“ und das „Unrechtssystem BRD“, sie als Klartextsprecherin kalt stellen zu wollen. Mit einem Fetzen Paketklebeband auf dem Mund posierte sie als Märtyrerin und veröffentlichte die Fotos als „Person des öffentlichen Lebens“ bei „Facebook“. Die Inszenierung zeigte Wirkung: „Facebook“-User „Mathew Maier“ etwa kommentierte applaudierend: „Einer mutigen Frau den Mund verbieten, was muss der Staat Angst vor dir [sic!] haben.“

Die Leitung der DÜGIDA-Vorstellung übernahm an diesem Abend Dominik Roeseler, einer von vier stellvertretenden Parteivorsitzenden von „pro NRW“, Anmelder der Kölner HoGeSa-Demo am 26. Oktober 2014 und aktuell Pressesprecher der HoGeSa-Abspaltung Gemeinsam-Stark Deutschland (GSD). Ebenso wie Dittmer ist Roeseler offenbar ohne jedwede Berührungsangst zu Akteur_innen aus der Neonazi-Szene oder dem jederzeit gewaltbereiten rechten Hooligan-Spektrum. Nicht zuletzt in dieser Position dürfte er von Dittmer sogar als Konkurrenz empfunden werden, selbst wenn er sich in seinem DÜGIDA-Auftaktstatement am 9. März neben der zum Schweigen Verdammten wiederholt und in familiärem Ton positiv auf die Organisationsfähigkeit „der Melanie“ bezogen hat.

Dieses Anfang März noch vermeintlich einmütige Bild hatte aber alsbald Risse. Am 24. März verkündete „pro NRW“, dass sich Dittmer „nach einem längeren freundschaftlichen Gespräch“ mit dem „pro NRW“-Parteivorsitzenden Markus Beisicht aus dem Vorstand der Partei zurückziehe, in den sie erst am 6. Dezember 2014 eingerückt war. „Einvernehmlich“, heißt es auf der „pro NRW“-Homepage weiter, habe man mit dieser Personalveränderung „die Reißleine gezogen“, nachdem „aufgrund einiger“ nicht näher bezeichneter „Aktivitäten möglicherweise Irritationen über die politische Ausrichtung von PRO NRW entstanden“ seien. Dies mag zum einen mit einer Intervention des Aachener Parteivizes Wolfgang Palm zu tun haben, der nur wenig Verständnis für Dittmers Idee zeigte, am Rosenmontag in kleinen Gruppen im urkomischen Karnevalskostüm, etwa verkleidet als Salafist, in Düsseldorf aufzutauchen. Zusätzlich mag „irritierend“ gewirkt haben, dass Dittmer auf ihrer „Facebook“-Seite vorgeblich für den von der neonazistischen Möchtegernpartei „Die Rechte“ (DR) für den 28. März 2015 in Dortmund organisierten Auftritt der neonazistischen RechtsRock-Band „Die Lunikoff Verschwörung“ auf der Abschlusskundgebung eines DR-Aufmarsches am zehnten Todestag des von einem Dortmunder Neonazi erstochenen Punks Thomas Schulz geworben hatte.

Am 30. März 2015, also am ersten Montag nach Dittmers „einvernehmlichen“ Rauswurf bei pro NRW, nahm kein einziges „pro NRW“-Parteivorstandsmitglied an der DÜGIDA-Demo teil. Roeseler war nach dem 9. März nicht mehr in Düsseldorf gesehen worden, „pro NRW“-Generalsekretär Tony-Xaver Fiedler, anfangs Mitglied des DÜGIDA-„Orga-Teams“, schon länger nicht mehr, offiziell aber zunächst wegen einer Knieoperation. Dass Fiedler wegen des nicht verhinderten Rauswurfs von Dittmer ohnehin nicht wiederkommen bräuchte, daran ließ das nach Eigenangaben auf zwei Personen geschrumpfte „Orga-Team“ keinen Zweifel. Das gleiche dürfte für das „pro NRW“-Parteivorstands- und -Präsidiumsmitglied Christopher von Mengersen gelten, der immer mal wieder als DÜGIDA-Redner eingesetzt wurde und wegen seiner prall gefüllten Geldbörse beim „Orga-Team“ sehr beliebt war. Auch er ließ sich am 30. März nicht mehr blicken, ebenso wie Katja Karakus, Mitglied des erweiterten „pro NRW“-Parteivorstands und Leiterin der DÜGIDA-Demos am 16. und 23. März. Verblieben waren erst einmal neben Dittmer nur die rhetorisch und schauspielerisch suboptimal, dafür aber cholerisch begabte „pro NRW“-Leuchte Bastian Pufal aus Leverkusen, nach Dittmer die Nummer zwei im „Orga-Team“, sowie Lautsprecherwagenfahrer und „Anti-Antifa“-Aktivist Dominik Lüth aus Stolberg („pro NRW“ Aachen), der sich aber als Redner offenbar (noch) nicht zur Verfügung stellen mochte. Und man darf vermuten, dass Dittmer ganz nach dem Motto „Wer nicht hundertprozentig hinter mir steht, ist gegen mich“ von diesen beiden erwartet, „pro NRW“ den Rücken zu kehren. Die spaltende Entwicklung, die DÜGIDA in der letzten März-Woche genommen hatte, veranschaulichte schließlich nichts mehr, als die Tatsache, dass es am 30. März – abgesehen von der Moderation – zum ersten Mal keine/n einzige/n Redner_in aus den „pro NRW“-Reihen gab. Auf diese Chance hatte Ariane Meise, stellvertretende NPD-Landesvorsitzende, NPD-Kreistagsabgeordnete im Rhein-Sieg-Kreis, Mitglied des NPD-Bundesvorstands und Teilnehmerin an allen DÜGIDA-Demos, lange gewartet. Ihre Botschaft: „Schließt euch uns an!“. Da es ohnehin jede/r wusste und DÜGIDA Wert auf „überparteiliches“ Auftreten legt, ließ Meise offen, wem es sich da anzuschließen gilt.

Gastspiel-Star mit Sportpalast-Attitüde

Und so steht Dittmer im Frühling 2015 vergleichsweise isoliert – und dazu stumm – auf ihrer DÜGIDA-Bühne. Doch an ihrem politischen Sendungsbewusstsein, ebenso wie an ihrer Selbstwahrnehmung, scheint das wenig zu ändern, auch wenn sie die Demos lieber in eine andere Stadt verlegen würde, damit sie selber wieder ungehindert agieren kann. Motor ihres weiterhin stabil wirkenden Selbstbewusstseins mag hier vor allem ihr Vernetzungsgeschick jenseits der Grenzen der Bundesrepublik sein. Bereits zum zweiten Mal reiste sie etwa am 15. März nach Paris, um bei einer Veranstaltung der rassistischen und antiislamischen „Union des Patriotes“ als Rednerin aufzutreten – vorgeblich in ihrer Rolle als Vertreterin ihrer „Identitären Aktion“, nicht als Repräsentantin von DÜGIDA, wie sie selbst am 16. März über „Facebook“ verlautbarte, und auch nicht als Sprecherin der „Identitären Bewegung“. Und obwohl Dittmer sich derart differenziert zu positionieren versuchte, entglitt ihr am Ende ihr Rollenspiel, als sie in Paris von ihrer Selbstinszenierung als militante Straßenaktivistin für DÜGIDA sprach, die nun, so Dittmer, „auf meiner[!] eigenen Demonstration“ mit einem Aufkleber auf dem Mund herumlaufe, weil „das System“ ihr das Sprechen untersagt habe. Fern der Ränke-Spiele in NRW ist es Dittmer in Frankreich offenbar möglich, den Ton ihres dort vollkommen selbstverliebten Bühnenstückes bis zum Anschlag aufzudrehen. In Paris sprach sie im Brustton der Überzeugung vom bevorstehenden Untergang Europas, verlautbarte Versatzstücke eines kruden Anti-Amerikanismus, hetzte gegen „Frühsexualisierung“ und „krank[e]“ „Gender- und Sexualisierungsinhalte“ und warnte vor der Unterdrückung der „ganz normalen Familien“ durch die Vorherrschaft von sexuellem „Hedonismus“ und „Dekadenz“, „ähnlich wie in Rom“[!], die das „Europa der Vaterländer“ mit seiner Kerneinheit, der „traditionellen Familie“, an den Abgrund dränge. Dittmers Gegenkonzept: Widerstand der „Volksgemeinschaften“.

So wundert es wenig, dass Dittmer, die auch andernorts keine Gelegenheit auslässt, sich über ihre anti-amerikanische, anti-feministische, anti-muslimische und rassistische Lieblings-Partitur hinaus vor allem auf jede Form von „nationaler Revolution“ in einem „Europa der Vaterländer“ („Europa – Jugend – Revolution“) zu beziehen, ihre Rede in Paris mit dem Skandieren von „Wir sind das Volk, wir sind das Volk“ zusammenfasste. Unter Sprechchören und Jubel des Publikums trat sie mit dem zusammengeklauten Slogan „Stand up and fight“ ab. Die Befriedigung darüber, sich fernab der Düsseldorfer Querelen auch körperlich, mit erhobenen Armen, in publico ganz dem (europäischen) „Patriotismus“ hingeben zu können und dafür Applaus zu ernten, war Dittmer förmlich ins Gesicht geschrieben. In popkulturellen Zusammenhängen nennt man solch eine Bühnen-Präsenz den Auftritt einer Rampen-Sau.

Heldin, Maria Magdalena, „Führer“ – oder was?

Es ließe sich trefflich darüber witzeln, dass sich hier eine instabile Persönlichkeit mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom oder ein Mensch mit bipolarer Störung inmitten einer lang währenden manischen Episode ausagiert. Dittmer selbst sprach 2002 davon, dass sie nach ihrer „hyperaktiven politischen Zeit“, nach ihrem „Ausstieg aus dem Ausstieg“, also aus Schlingensiefs Theaterprojekt, „privat viel mehr“ mache. Psychiatrischer Diagnosen Kundige mögen hier aufhorchen. Mehr noch als pathologisierende Analysen und Fragen darüber zu formulieren, wer Melanie Dittmer ist und ob sie eine schlimme Kindheit gehabt haben mag, kann es aber sinnvoll sein, den Blick darauf zu lenken, wer hier eine Bühnenfigur zu was macht. Denn im luftleeren Raum agiert Dittmer, so selbstbewusst und ungesteuert ihre Auftritte wirken mögen, nicht. Ihre Rolle bleibt nicht frei von Zuschreibungen.

Im Zusammenhang mit Wahrnehmung und Labeling im Rollen-Spektrum „Geschlecht“ etwa ist das Bild, das Dittmer auswählt, bespielt und zugewiesen bekommt, vielfältig: Sie selbst inszeniert sich in erster Linie als Macherin und weiß mit einer landläufig als männlich konnotierten Körpersprache der Macht aufzutreten, breitbeinig, breitschultrig und mit zumeist konfrontativer Mimik. Eine Ausnahme machte Dittmer in ihrer Rolle als Opfer von Polizeiwillkür, als Märtyrerin mit Paketband vor dem Mund, als Maria Magdalena im Steinhagel der Meinungsdiktatur. In nahezu perfekter Inszenierung der Missverstandenen und Unterdrückten musste sie es sich dabei indes auch gefallen lassen, am 9. März 2015 schweigend auf Dominik Roeselers Knie Platz zu nehmen, der wiederum, lässig im DÜGIDA-Lautsprecherwagen sitzend, über die „Lügenpresse“ schwadronierte und „die Melanie“ für ihre Beharrlichkeit im Kampf gegen dieses „System“ lobte. Dass eine Teilnehmerin der DÜGIDA-Demo am selben Montag mit einem Schild aufwartete, auf dem der Slogan „Keep Calm, love Melanie“ prangte, wird der Macherin Melanie Dittmer dann aber vielleicht doch zu weit gegangen sein. Abgesehen von der Gefühligkeit derartiger Sympathiebekundungen ist „keep calm“ doch genau das, was ausdrücklich nicht auf Dittmers Programm-Zettel steht. Hier scheint eine Kommunikationspanne vorzuliegen, ein Missverständnis Raum zu greifen. Denn Dittmer ist mitnichten dafür, die Füße still zu halten, wie sie noch Ende März in ihrem selbst eingefleischte Dittmer-Fans zum Fremdschämen animierenden Bob-Marley-Cover-Video zu zeigen versucht. Hier verleiht sie beim Schlendern über die Kölner Hohenzollernbrücke ihrem mies gereimten Credo „Aufsteh’n, rausgeh’n, unbequem die Wahrheit seh’n“ eine schief intonierte Mädchen-Stimme. Doch auch wenn Dittmer vorgibt, dass es in ihrem Musik-Projekt vor allem „um Spaß“ gehe, ist das Show-Business doch auch hier: harte Arbeit. Schließlich muss sich irgendjemand das ausgeklügelte symbolpolitische Konzept ausgedacht haben, das Dittmer darbietet, wenn sie scheinbar planlos am Kragen ihrer schwarzen Allwetterjacke nestelt, den Reißverschluss öffnet, ein rotes Shirt mit weißem Kragen und wenig später eine Kette mit einem Anhänger in Form des „Identitären“-Symbols zum Vorschein bringt. Mit einer schwarz-weiß-roten Fahne hätte sie es leichter gehabt, aber derlei offensive Zurschaustellung reaktionär-nazistischer Bezugnahmen macht als Suchbild vermutlich nur halb so viel Freude. Vielleicht können Fan-Artikel wie etwa das bizarr anmutende Zippo-Feuerzeug mit dem Konterfei Dittmers – wie ein Dittmer-„Facebook“-Freund es unlängst als Antwort auf deren Mundaufkleber-Bilder-Album als Foto postete – hier noch etwas mehr ernsthaften Heldinnen-Kult reinbringen?

Jenseits ironischer Erklärungsversuche und dem Impuls, Dittmer und Konsorten in all ihrem Aberwitz nicht mehr ernst nehmen zu wollen: Am Ende scheint Dittmer zwischen all diesen Zuschreibungen und Selbstinszenierungen eine Kunstfigur zu werden, selbstgemacht und fremdbestimmt zugleich. Für sich selbst Macherin, für andere inszeniert als Heldin und Märtyrerin, für einzelne umweht vom Führerkult des „nationalen Widerstands“ in schwarz-weiß-rot, den Farben ihrer Kleidung in der eigenen Mini-Playback-Show. Nichts zeigt dies besser als der inzwischen gelöschte Kommentar zu Dittmers eigener Maulkorb-Berichterstattung zum 9. März 2015: „Du bist unserer Führer“ – nicht weiblich, nicht versehen mit differenzierten Qualitäten, inhaltsleer bis auf eine simple Funktion: einfach „Führer“.