Spuren des „NSU“ führen nach Düsseldorf (Update)

Fast dreizehn Jahre lang bombte, mordete und raubte sich eine terroristische Neonazi-Gruppierung quer durch Deutschland. Noch dazu unter den Augen verschiedenster Repressionsbehörden, die entweder nicht dazu in der Lage oder nicht gewillt waren, die Neonazis von ihrem menschenfeindlichen Treiben abzuhalten.
Im Falle des “Nationalsozialistischen Untergrundes” (NSU) führen dabei auch mehrere Fäden in die Nordrhein-Westfälische Landeshauptstadt.

Liste mit potenziellen Anschlagsopfern

So werden beispielsweise in einer Liste mit möglichen Anschlagsopfern der Neonazi-Terrorzelle auch Adressen von Düsseldorfer Einzelpersonen, Institutionen und Verbänden aufgeführt. 1

Ehemaliger NSU-Unterstützer in Düsseldorf?

Darüber hinaus geht aus einem Bericht des Inlandsgeheimdienstes hervor, dass einer der zeitweise wichtigsten Unterstützer des NSU, der Aktivist des „Thüringer Heimatschutzes“ Carsten Schultze, im Jahr 2003 aus Ostdeutschland in den Westen verzog. Schultze lebt heute offenbar im Raum Düsseldorf und geht einer Beratungstätigkeit im sozialen Bereich nach, heißt es in einem Artikel der WAZ-Mediengruppe. 2
Konkretere Angaben macht der Blog „Ruhrbarone“, wonach der ehemalige mutmaßliche NSU Helfer heute bei der AIDS-Hilfe in Düsseldorf arbeitet. 3
In den Jahren 1999 und 2000 war Schultze zusammen mit Ralf Wohlleben (damals NPD-Eintritt mit rasanter Karriere) offenbar “maßgebliche Kontakperson” der untergetauchten NSU-Mitglieder. Auch soll er die Neonazis finanziell versorgt und nach Wohnungen für sie gesucht haben.
Angaben des Verfassungsschutzes zufolge sei der ehemalige NSU-Unterstützer mittlerweile aus der rechten „Szene“ ausgestiegen.
Keine Auskunft erteilten die Behörden dagegen zu der Frage, ob Carsten S. in einem Aussteigerprogramm für ehemalige Rechtsradikale betreut wurde. 4

Update: Am Mittwochmorgen (1. Februar 2012) nahm ein Kommando der GSG 9 den 31. – jährigen Carsten Schultze in seiner Wohnung in Oberbilk fest. Ermittler von BKA und LKA durchsuchten im Anschluss an die Festnahme die Wohnung des Verdächtigen in der Markenstraße. Augenzeugenberichten nach seien hierbei kistenweise Material beschlagnahmt worden.
Schultze sei dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs Morden und einem Mordversuch der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ geleistet zu haben, teilte der Bundesgeneralanwalt mit. 11 12
Obwohl der mutmaßliche NSU-Unterstützer schon länger im Blick der Ermittlungen stehen soll, befindet er sich seit heute in Untersuchungshaft. 13

NSU auch für Bombenanschlag am Wehrhahn verantwortlich?

Über elf Jahre nach dem bisher nicht aufgeklärten Bombenanschlag am S-Bahnhof Wehrhahn, bei dem zehn Menschen schwer verletzt wurden, wird jetzt endlich auch eine konkrete Verbindung zu Antisemit_innen bzw. zu der rechtsterroristischen Gruppe geprüft. 5
Bei dem Bombenattentat verlor eine Mutter ihr ungeborenes Kind, zudem waren 6 jüdische Sprachschüler aus der ehemaligen Sowjetunion unter den Opfern, die sich auf ihrem täglichen Rückweg vom Deutschunterricht befanden. 6
Laut Presse-Angaben habe die Ermittlungskommission ihre Arbeit an dem Fall im November 2011 wieder aufgenommen. 7
Damals hatten die Ermittlungsbehörden offenbar keine Motivation, Hinweisen auf einen möglicherweise rechtsradikalen Hintergrund nachzugehen. 8

Auch nicht, als ca. 250 Neonazis – mit tatkräftiger Unterstützung der Polizei – am 3. Juni 2006 durch Düsseldorf marschieren konnten.
Beworben worden war der Neonaziaufmarsch zuvor auf der Website des „Nationalen Infotelefons Rheinland“ (seit 2002 abgeschaltet) unter dem Titel “Bombenstimmung in Düsseldorf! – Vor dem Spiel ist nach dem Spiel!”. Die Formulierung “Bombenstimmung in Düsseldorf!” erschien wie ein bewusster und provokanter Bezug zu dem ungeklärten Sprengstoffanschlag an der Ackerstraße vom 27. Juli 2000. Ein solcher Bezug äußerte sich auch während der Demonstration indirekt in diversen Redebeiträgen. 9 10

  1. [1] http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/duesseldorfer-auf-der-terror-liste-id6103804.html [zurück]
  2. [2] http://www.derwesten.de/region/rhein_ruhr/helfer-der-nazi-terrorzelle-setzte-sich-nach-nrw-ab-id6280695.html [zurück]
  3. [3] http://www.ruhrbarone.de/ehemaliger-mutmasslicher-nsu-helfer-arbeitet-heute-bei-der-aids-hilfe-duesseldorf/ [zurück]
  4. [4] http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/mutmasslicher-nsu-unterstuetzer-soll-in-duesseldorf-leben-1.885695 [zurück]
  5. [5] http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/terror-in-koeln-und-duesseldorf-1.2586652 [zurück]
  6. [6] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/11998 [zurück]
  7. [7] http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/bombenanschlag-am-wehrhahn-der-chef-ermittler-ist-zurueck-1.819403 [zurück]
  8. [8] http://laubenburg.posterous.com/bombenanschlag-ackerstrasse-vor-elf-jahren-ig [zurück]
  9. [9] http://www.terz.org/texte/texte_05_06/rechterrand.html [zurück]
  10. [10] http://www.terz.org/texte/texte_0708_06/naziaufmarsch.html [zurück]
  11. [11] http://tagesschau.de/inland/nsu170.html [zurück]
  12. [12] http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/gsg-9-nimmt-terror-helfer-in-duesseldorf-fest-1.2693525 [zurück]
  13. [13] http://tagesschau.de/inland/nsu176.html [zurück]

Pressemitteilung der Antifaschistischen Linken Düsseldorf: Düsseldorfer war Kontaktmann zum rechtsterroristischen NSU?

Frank Laubenburg: Unterstützung neonazistischen Terrors ist keine Jugendsünde: Düsseldorfer Carsten Schultze muss zur Aufklärung beitragen


1 Antwort auf „Spuren des „NSU“ führen nach Düsseldorf (Update)“


  1. 1 Außer Kontrolle – Ein kurzer Zwischenstand zur Serie des Versagens deutscher Sicherheitsbehörden « Prof. Dr. Hajo Funke Pingback am 31. Juli 2012 um 11:25 Uhr
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