Neonaziaufmarsch in Kaiserswerth

An dieser Stelle wird der Bericht vom „Düsseldorfer Bündnis gegen den Nazi-Spuk“ bei linksunten.indymedia.org (12.11.2011) dokumentiert:

Heute Vormittag fanden sich knapp ein Dutzend Antifaschistinnen und Antifaschisten in Düsseldorf-Kaiserswerth ein, um die Anwohnerinnen und Anwohner über den Nazi-Spuk vom vergangenen Dienstagabend aufzuklären.
Im Rahmen einer Flugblattverteilung wurden innerhalb von zwei Stunden ca. 1000 Infoflyer an die Bürger_Innen von Kaiserswerth verteilt. Zudem wurden die gelben Blätter von zahlreichen örtlichen Ladenbesitzer_innen in ihren Geschäften ausgelegt. Ein Pastor kündigte nach einem Informationsgespräch mit einer Antifaschistin an das Neonaziproblem in seiner Sonntagspredigt thematisieren zu wollen. In weiteren Gesprächen zeigten sich viele Bürger_Innen des Stadtteils abgestoßen und erschrocken von der Nazi-Aktion.

Was war passiert?
Am späten Abend des 8. November versammelten sich in Kaiserswerth Neonazis aus diversen Städten auf einem Parkplatz (unweit des Restaurant „Galerie Burghof“) in der Nähe des Rheins.
Sie kamen unter anderem aus Wuppertal, Aachen, Köln, Leverkusen, dem Rhein-Erft-Kreis, dem Kreis Mettman, aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz und nicht zuletzt aus Düsseldorf.
Es ist davon auszugehen, dass die Initiator_Innen des nachfolgenden Aufmarsches der überregionalen Neonazinetzweke „Aktiongruppe Rheinland“ (NRW) und „Aktionsbüro Mittelrhein“ (Rheinland-Pfalz) zuzuordnen sind oder zumindest aus deren Umfeld stammen.

Gegen 22 Uhr zogen die 50 bis 60 Neonazis etwa fünfzehn Minuten lang durch Kaiserwerth. Inhaltlich ging es wohl darum, einen herbeihalluzinierten „Volkstod“ stoppen zu wollen. Der Aufmarsch lehnte sich an eine Aktionsform an, die schon in Ostdeutschland unter dem Namen „Die Unsterblichen“ praktiziert wurde.
Eine kurze „Marschroute“ führte über den „Kaiserswerther Markt“ durch die Straße „An St. Swidbert“ und wieder zurück bis zum Parkplatz. Dabei warfen die Neonazis Böller um sich, skandierten NS-Parolen und entzündeten bengalische Feuer. Außerdem sangen sie das verbotene HJ-Lied „Ein Junges Volk steht auf“.

Die alarmierte Polizei war nach Informationen einer Düsseldorfer Tageszeitung nicht mehr dazu in der Lage, den Straftatbestand einer „nicht angemeldeten Demonstration“ aufzunehmen. Auch scheint den Verantwortlichen im Polizeipräsidium daran gelegen zu sein, den rechten Aufmarsch systematisch totzuschweigen oder zumindest zu verharmlosen: Eine offizielle Pressemitteilung zu dem Vorfall ist bis heute nicht erschienen, obwohl es den Polizisten doch noch gelang, die Personalien einiger angereister Neonazis festzustellen.
Bei diesen Kontrollen seien verbotene Waffen gefunden und entsprechende Anzeigen geschrieben worden, so die „Rheinische Post.“

Das Datum für den Aufmarsch war nicht zufällig gewählt: Die Neonazis bezogen sich in dieser Aktion auf den Jahrestag des sog. „Hitler-Ludendorff-Putsches“ vom 8. und 9. November 1923. Es ist außerdem offensichtlich, dass diese Aktion als Ersatz für die verbotene Neonazikundgebung in Wuppertal am 9. November diente. Diese wurde am Dienstag durch das Obervewaltungsgericht Münster verboten.

Der nördliche Stadtteil Düsseldorfs, Kaiserswerth liegt sehr dezentral und ist für Polizei und Antifaschist_innen nicht schnell zu erreichen. Im Innenstadtbereich trauten sich Neonazis bisher noch nicht, offen in Erscheinung zu treten- wohl wissend, dass sie dort mit antifaschistischen Reaktionen konfrontiert wären.

Düsseldorfer Bündnis gegen den Nazi-Spuk

Mehr dazu:

NRW rechtsaußen: D: Neonazis zogen maskiert, mit Fackeln und Böllern durch Kaiserswerth
http://nrwrex.wordpress.com/2011/11/09/d-neonazis-zogen-maskiert-und-mit-feuerwerk-durch-kaiserswerth/

Antifa KOK: Neonazizug durch Kaiserswerth
http://antifakok.de/index.php/beitraege/22-antifaschismus/314-neonazizug-durch-kaiserswerth

Antifaschistische Linke Düsseldorf: Nazis-Gespenster in Kaiserswerth
http://antifa-duesseldorf.de/2011/11/12/nazis-gespenster-in-kaiserswerth

Nachfolgend die Pressemitteilung des Düsseldorfer Bündnis gegen den Nazi Spuk:

Antifaschistinnen und Antifaschisten informieren Kaiserswerther Bürgerinnen und Bürger über Fackelmarsch von Neonazis
Polizei verschweigt den Vorfall

Antifaschistinnen und Antifaschisten verteilten heute morgen, am 12.11.2011, im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth Informationsmaterial an Anwohnerinnen und Anwohner und Passantinnen und Passanten, um diese über den Neonaziaufmarsch am Abend des 8. Novembers zu informieren. Gleichzeitig kritisierten die Aktivistinnen und Aktivisten die Polizei dafür, der Öffentlichkeit Informationen, auch noch Tage danach, über den Aufmarsch vorenthalten zu haben.
Die Informationspolitik der Düsseldorfer Polizei ist dabei absolut nicht nachvollziehbar. Offenbar wurde diese erst durch Anrufe entsetzter Anwohnerinnen und Anwohner auf den Aufmarsch aufmerksam. Vor Ort nahm die Polizei von einigen wenigen Neonazis die Personalien auf, war aber offenbar nicht in der Lage, den Spuk zu beenden.
Dabei dürften gerade die Kaiserwerther ein Interesse an einer umfassenden Aufklärung haben, denn diesen bot sich in der Nacht zum 9. November, dem Jahrestag der Novemberpogrome, rund um den Kaiserswerther Markt eine gespenstische Szenerie : Etwa 60 bis 70 Neonazis aus dem Spektrum der als gewaltbereit bekannten sogenannten „Autonomen Nationalisten“ führten einen nicht angemeldeten und konspirativ vorbereiteten „Fackelmarsch“ durch. Die Neonazis verbargen ihre Gesichter hinter weißen Masken, trugen Fackeln und zündeten Feuerwerkskörper.

Susann Lopez, Sprecherin des Düsseldorfer Bündnisses gegen den Nazi-Spuk: „Es ist absolut unverständlich, dass die Düsseldorfer Polizei diesen bizarren Aufmarsch gewaltbereiter Neonazis für nicht erwähnenswert hält und das Ereignis offenbar unter den Teppich kehren möchte. DasVerschweigen von neonazistischen Aktivitäten ändert nichts daran, dass es sie auch hier in Düsseldorf gibt. Im Gegenteil: Zivilgesellschaftliches Handeln gegen Neonazismus braucht Öffentlichkeit!“

Für Fragen stehen wir Ihnen unter 0172/2111311 zur Verfügung.