Verherrlichung deutscher Kolonialverbrechen in Oberbilk?

Vom 29. Juli bis 2. August findet in Düsseldorf in diesem Jahr das alljährliche Oberbilker Schützenfest statt.
Veranstalter dieses Schützenfestes ist der „St. Sebastianus Schützenverein von 1848 Düsseldorf-Oberbilk e.V.“ zu dem unter anderem die Gesellschaft „1. Deutsche Schutztruppe Düsseldorf Oberbilk“ gehört. Teil dieser „Schutztruppe“ ist auch die „1. Reitertruppe von Lettow-Vorbeck“.

Dass sich die Gesellschaft positiv auf die Kolonialverbrechen der „Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika“ mit ihrem Kommandeur bezieht, wird schon durch ihren Namen deutlich.

Paul von Lettow-Vorbeck, der deutsche Kommandeur der Schutztruppe, war ein erfahrener Kolonialkrieger. Er stammte aus einer alten preußischen Offiziersfamilie und hatte im Jahre 1900 an der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China teilgenommen. Weiterhin war er als Adjutant von Generalleutnant Trotha an der Ermordung von etwa 60.000 Herero in „Deutsch-Südwestafrika“ beteiligt. Lettow-Vorbecks Rückzugsgefechte gegen die alliierte Übermacht verwandelten große Teile Ostafrikas in ein Schlachtfeld. Die britischen Truppen hatten ca. 10.000 Tote zu beklagen, die belgischen Einheiten verloren etwa 1.980, die portugiesischen 1.730 und die deutschen ca. 2.500 Soldaten. Weitaus höher waren die Verluste unter den „nicht kämpfenden Eingeborenen“. 100.000 afrikanische Hilfstruppen und TrägerInnen kamen während des Krieges um. Meist wurden sie Opfer von Typhus, Malaria oder Lungenentzündung, die sich epidemisch ausbreiteten. Auch die Zivilbevölkerung litt erheblich unter den kolonialistischen „Verteilungskämpfen“. Plünderungen und die von beiden Seiten betriebene „Politik der verbrannten Erde“ führten zu Hungersnöten.
Eine aus Europa eingeschleppte Grippe forderte 50.000 bis 80.000 Menschenleben. Am Ende hatte der Durchhaltekrieg der „Schutztruppe“ nach Schätzungen einer halben Million Menschen den Tod gebracht. (http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/1998-Moehle-Lettow.htm)

Bezeichnenderweise nannten die von der „Deutschen Schutztruppe“ zwangsrekrutierten afrikanischen Soldaten Lettow-Vorbeck den „Herrn, der unser Leichentuch schneidert“.
Nach dem Ersten Weltkrieg und mit dem Vertrag von Versailles trat das „Deutsche Reich“ zwangweise seine Kolonien ab. Seitdem forderte Lettow-Vorbeck erfolglos die „Rückgabe der deutschen Schutzgebiete“.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Paul von Lettow-Vorbeck

  • maßgeblich am Genozid an den Herero und Nama in „Deutsch-Südwestafrika“ beteiligt war.
  • auch in „Deutsch-Ostafrika“ überaus brutal und rücksichtslos agierte.
  • die sog. „Sülzeunruhe“ Hamburgs im Jahre 1919 mit einer Reichswehr-Division niederschlug. Dazu schränkte er die Meinungsfreiheit ein, schloss Gewerkschaftshäuser, verhinderte Reden von KommunistInnen, setzte Kriegsgerichte ein und verhängte Todesstrafen.
  • sich am 13. März 1920 als Kommandeur der „Reichswehrbrigade 9“ am rechtsradikalen „Kapp-Putsch“ beteiligte. Ziel dieses Putsches war die Zerschlagung des ersten deutschen Demokratieversuchs, der „Weimarer Republik“.
  • bereits vier Jahre vor seinem Umzug nach Bremen (1923) Mitglied der Bremer Ortsgruppe des „Frontsoldatenbundes Stahlhelm“ wurde und zudem von 1928 bis 1930 Abgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) im Reichstag war.
  • den Antisemitismus der Nazis begrüßte, deren Kolonialziele durch eine rege Vortrags- und Publikationstätigkeit unterstützte und im Jahre 1939 durch Adolf Hitler zum „General zur besonderen Verwendung“ ernannt wurde. (http://www.a3wsaar.de/uploads/media/Flugschrift_vLV.pdf)
  • Die im Jahr 1926 gegründete „1. Deutsche Schutztruppen-Kompanie Düsseldorf-Oberbilk“ mit ihrer 2000 gegründeten „1. Reitertruppe von Lettow-Vorbeck“ glorifiziert die Verbrechen ihres Namenspatrons in unkritischer und inakzeptabler Weise. So geht beispielsweise das Hissen deutscher Kolonialfahnen im vergangenen Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto von Mitgliedern der oben genannten Schützengesellschaft (vgl. Erneute Beflaggung deutscher Kolonialfahnen in Oberbilk).

    Den deutschnationalen Ahnenkult angreifen!


    1. Reitertruppe von Lettow-Vorbeck beim Schützenumzug 2009 auf der Kölner Straße


    1 Antwort auf „Verherrlichung deutscher Kolonialverbrechen in Oberbilk?“


    1. Gravatar Icon 1 Ist doch egal wie ich heiße 11. März 2012 um 15:05 Uhr

      Jetzt passt mal auf ihr ach so tollen „Krieger gegen Rassismus“:

      1.Ich bin im Schützenverein und das seit grade mal 3 Jahren.Seit 2 Jahren spiel ich in einem Düsseldorfer Tambourcorps die Marschtrommel und JA wir spielen auch Märsche aus der Nazizeit ! Sind wir jetzt Nazis nur weil wir Märsche aus dieser Zeit spielen ? NEIN !

      2.Nur weil wir Uniformen tragen,mit Marschmusik durch die Straßen marschieren,Fahnen tragen und und und heißt das noch lange nicht das wir diesem braunen Sumpf angehören.

      Euren Spruch: „Den deutschnationalen Ahnenkult angreifen“ könnt ihr euch demnächst sparen.

      WIR SCHÜTZEN SIND KEINE NAZIS ! Seht es endlich ein.

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