9. November 1938: Nichts und Niemand ist vergessen!

Text? Von Anfang November bis Mitte Dezember finden die von der Amadeu Antonio Stiftung „Initiativen für Zivilgesellschaft und demokratische Kultur“ organisierten bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus statt. Rund um den 9. November, dem 72. Jahrestag der „Reichspogromnacht“, wird es eine Vielzahl von Veranstaltungen zu historischen und vor allem zu zeitgenössischen Formen des Antisemitismus geben, insbesondere aber zum diesjährigen Schwerpunktthema: israelbezogener Antisemitismus.

Den Veranstaltungskalender für NRW gibt es hier.

Am 9. November 1938 wurden „reichsweit“ Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte und Wohnungen überfallen, geplündert und zerstört. Ungefähr 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. In den Tagen der Novemberpogrome mussten über 400 Jüdinnen und Juden ihr Leben lassen. Der Nazi-Terror demütigte, missbrauchte und ermordete Millionen Jüdinnen und Juden, bis zu seiner Zerschlagung von außen.
Diese Pogrome vom 9. November 1938, die als der antisemitische Beginn der systematischen und rationalen Vernichtung des europäischen Judentums gelten, waren nicht nur das Werk vereinzelter Nazis. Ohne die aktive Beteiligung, Zustimmung, das Wegsehen oder/und Schweigen der Deutschen und ihrer europäischen Kollaborateure, wäre die Shoah nicht möglich gewesen.

Düsseldorf
Der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf gehörten 1932 etwa 5000 Mitglieder an. Davon waren bis 1938 etwa die Hälfte ausgewandert oder wie 150 polnische Jüdinnen und Juden im Zuge der so genannten „Polenaktion“ des Landes verwiesen worden.
Etwa 1800 Mitglieder der Gemeinde wurden ermordet. Nach dem 8. Mai 1945 kehrten nur wenige der ehemaligen Gemeindemitglieder in ihre alte Heimatstadt Düsseldorf zurück.

In der Nacht vom 9. zum 10 November wurde die 1904 eingeweihte Synagoge an der Kasernenstraße verwüstet und in Brand gesteckt. Auch die Synagoge in Benrath und die kleine Synagoge der Ostjuden in der Kreuzstraße gingen in Flammen auf. Insgesamt waren es etwa 500 Überfälle und Verwüstungen, die von Nazis und Volksmob gegen das jüdische Leben in Düsseldorf ausgingen.
Drei Menschen wurden in der Nacht vom 9. zum 10. November in Düsseldorf ermordet, 12 weitere starben unmittelbar danach an den Folgen ihrer Verletzungen, durch Selbstmord oder an Spätfolgen. Über 70 Menschen mussten aufgrund der starken Misshandlungen stationär in Krankenhäusern behandelt werden. Am nächsten und in den folgenden Tagen wurden 166 Männer und Jugendliche und 20 Frauen verhaftet und ins Polizeigefängnis gesperrt, und am 16. November wurden 89 der Männer, darunter auch einige Jugendliche, in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.

Heute ist die Jüdische Gemeinde Düsseldorf mit nahezu 7500 Mitgliedern die drittgrößte Gemeinde in Deutschland.

In Düsseldorf findet am 8. November ein öffentlicher Gedenkgang zur Pogromnacht statt.
Nähere Informationen auf der Homepage der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Veranstaltungen in benachbarten Städten

Am Montag, den 8. November, findet um 20 Uhr im Jugend- und Kulturzentrum Druckluft in Oberhausen der Vortrag „Abraham Léon (1918 – 1944): Antizionismus als die Tragödie eines jüdischen Revolutionärs“ von Joachim Bruhn (ISF Freiburg) statt.
Veranstalterin ist die Antifa 3d.


Das antifaschistische Bündnis 9. November veranstaltet in Gedenken an die Pogromnacht von 1938 eine Kundgebung in Duisburg.
Diese findet am 9. November 2010 um 17 Uhr am Platz der alten Synagoge (Rabbiner-Neumark-Weg) statt.
Ausgerechnet an diesem Tag hat die Essener NPD eine Kundgebung in Essen-Borbeck angemeldet.
Es wird dazu aufgerufen an der antifaschistischen Kundgebung in Duisburg teilzunehmen, und anschließend gemeinsam nach Essen zu fahren, um sich an den Protesten gegen die Neonazikundgebung zu beteiligen.

Zudem finden z.B. in Leverkusen und Krefeld Gedenkveranstaltungen statt, die in mahnender Verbindung mit der Pogromnacht von 1938 stehen.


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