NRW-Landtagswahl in der Landeshauptstadt 2012 – Update

Nach nur zwei Jahren wurde heute ein neuer nordrhein-westfälischer Landtag gewählt. Die vorgezogene Wahl resultierte aus dem Scheitern des Haushaltsentwurfs einer “Minderheitsregierung” von SPD und Grünen, weswegen sich das Parlament Mitte März aufgelöst hatte.

Im Folgenden wird auf Parteien der extremen Rechten eingegangen, die sich am Landtagswahlkampf beteiligten.
Unter den 17 Parteien sind mit NPD und “pro NRW” zwei Fraktionen der extremen Rechten angetreten. Auf den diesjährigen Stimmzetteln waren „die Republikaner“ (REP) hingegen nicht mehr präsent.
In der Landeshauptstadt stellte die extreme Rechte in keiner der vier Wahlkreise Direktkandidat_innen zur Wahl.
Auf der Landesliste von „pro NRW“ befinden sich mit dem Kreisvorsitzenden Dr. Manfred Linn und dem in der Stadtmitte wohnenden Pensionär Gieselfalk Gebel, zwei Düsseldorfer Mitglieder der rechtspopulistischen Partei.

Zweitstimmenergebnis in der Landeshauptstadt:

Partei Prozent Absolut 2010
pro NRW 1,1 % 2823 0,9 %
NPD 0,4 % 1025 0,3 %

Wahlkreise im Detail:

Wahlkreise Pro NRW Absolut NPD Absolut
WK 40 Düsseldorf I 1,0 % 732 0,4 % 282
WK 41 Düsseldorf II 1,1 % 651 0,5 % 286
WK 42 Düsseldorf III 0,9 % 600 0,3 % 176
WK 43 Düsseldorf IV 1,6 % 840 0,5 % 281

Insgesamt waren 412928 Düsseldorfer_innen wahlberechtigt.
Die Wahlbeteiligung lag bei 60,8 %.

Wahlkampf der extremen Rechten

Die Aktivitäten, welche die Rechtsaußen-Parteien im Landtagswahlkampf unternahmen, hielten keine großen Überraschungen bereit. Dennoch sollten diese genauer unter die Lupe genommen werden – auf jedes verteilte Flugblatt und jede Einzelplakatierung muss dabei nicht im Detail eingegangen werden.

  • pro NRW
  • Während ihrer muslimfeindlichen “Moscheen-Tour” sorgte „pro NRW“ auch in Düsseldorf für etwas mediale Aufmerksamkeit: Bis auf eine vor der DITIB-Moschee in Derendorf angemeldeten Kundgebung, die letztendlich unter regem Gegenprotest auf der Eisenbahnbrücke Münsterstraße stattfand, war von pro NRW kein wahrnehmbarer Wahlkampf zu verzeichnen.
    Dies ist insofern erstaunlich, da die Rechtspopulist_Innen durchaus engagiert in den Landtagswahlkampf eintraten – starteten sie doch überstürzt mit dem Anbringen ihrer Wahlplakate, die kurze Zeit darauf „ordnungsgemäß“ entfernt wurden. Nach Einschätzung der lokalen Behörden hatte „pro NRW“ noch vor dem offiziell zugelasssenen Termin damit begonnen, Plakate in Düsseldorf anzubringen – vor allem im Südteil der Stadt. Letzen Endes wurden am 7. April zahlreiche Plakate (nach Angaben der Partei über 400 Stück) der so genannten “Bürgerbewegung” durch das „Ordnungsamt“ abgehängt.

  • NPD
  • Am 13. März 2012 fand in Dortmund eine Kundgebung statt, bei der sich verschiedene Neonazis über die am selben Tag stattgefunden Razzia gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ beschwerten. Ob die Teilnahme mehrerer Mitglieder des NPD-KV Düsseldorf/Mettmann dabei wirklich aus reiner Solidarität erfolgte, oder auch wahlstrategische Motive besaß, ist ungewiss. Bereits zu diesem Zeitpunkt war jedenfalls deutlich, dass es Neuwahlen geben würde – tatsächlich wurde schon einen Tag nach der Dortmunder Kundgebung die Auflösung des Landtages verkündet.
    Im Bezug auf die Razzien lud der Kreisverband zum 25. März verschiedene Neonazigruppierungen zur „Solidaritätsveranstaltung gegen staatliche Willkür“ in eine bekannte Gaststätte nach Mettmann ein. Dabei umwarben sich „freie und parteigebundene Kräfte“ gegenseitig, um zukünftig nach dem militärischen Motto „getrennt marschieren, vereint zuschlagen“ agieren zu können.

    Der eigentliche „Wahlkampfauftakt“ der NPD Düsseldorf/Mettmann begann nach Eigenangaben am 17. März mit einer nicht näher beschriebenen „Flugblattverteilung“.

    „Um zumindest einen Achtungserfolg zu erzielen“, wie es im Bericht der „Jahreshauptversammlung“ des NPD-Kreisverbandes zum 28. März heißt, verteilten „nationale Kräfte“ nach der Veranstaltung Propaganda am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Im Verlauf dieser personell recht unterbesetzten Werbeaktion kam es zu einem Angriff auf eine junge Frau.

    Nachdem die NPD-NRW nach Selbstäußerung über 1900 Unterstützungsunterschriften sammeln konnte und diese der Landeswahlleitung übergab, steckten „Aktivisten“ des NPD-Kreisverbandes Düsseldorf/Mettmann an den letzten beiden April-Samstagen braune Propagandamaterialien in Briefkästen.

    Am 2. Mai hatte der NPD-Landesverband eine dreitägige “Wahlkampfkundgebungstour” mit Unterstützung des Parteivorsitzenden Apfel gestartet. Bei der dritten Kundgebung des ersten Tages beteiligten sich etwa ein Dutzend NPD-Mitglieder – darunter drei Düsseldorfer Funktionäre – und Sympathisanten an einer einstündigen Veranstaltung auf dem Heinrich-Heine-Platz. Antifaschistische Gegenaktionen blieben an diesem Tag ärgerlicherweise aus.

    Zehn Tage später, am 12. Mai, hielt der NPD-Kreisverband Düsseldorf/Mettmann mit Unterstützung von Neonazis aus verschiedenen Städten (z.B. aus Wuppertal und Erkrath) einen kurzlebigen Infostand an der Schadowstraße ab, der durch antifaschistische Intervention vorzeitig beendet wurde.

    Sonstiges: Zur Konkurrenzpartei „pro NRW“ wussten die Düsseldorfer „Nationaldemokraten“ – welche gemeinhin dem NS-Flügel der NPD-NRW zugerechnet werden – auf ihrer Homepage auch etwas zu sagen: In einem paradox anmutenden Artikel erteilten sie „Islamfeindlichkeit“ und einer „gegen bestimmte Zuwanderergruppen gerichtete Politik und Polemik eine klare Absage“ (Quelle: Screenshot vom Artikel). Ob die Verfasser_Innen des Textes zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss „volksschädlicher Substanzen“ standen, oder zuviel in Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ gelesen hatten, ist zumindest diskussionswürdig. Der Artikel verschwand nach kurzer Zeit wieder von der Webseite, bzw. wurde durch einen anderen, NPD-typischeren Text ersetzt.

    Fazit

    Die beiden Parteien der extremen Rechten – pro NRW und NPD lagen in der Landeshauptstadt erneut unter dem Landesniveau (pro NRW 1,5 % | NPD 0,5 %).
    Mit den Landeslistenplätzen 21 und 28 attestierte die Führungsebene der “Bürgerbewegten” ihren Düsseldorfer Vertreter_Innen ohnehin keine sonderlichen Kompetenzen. Dennoch konnte die rechtspopulistische Partei im Vergleich zur letzten Landtagswahl Stellen im Null-Komma-Bereich für sich verbuchen.
    Auf den Düsseldorfer Stimmzetteln machten insgesamt 2823 Wähler_Innen ihr Kreuz bei „pro NRW“. Dies ist ein Zugewinn von 475 Stimmen, der 0,2 % entspricht.
    Nicht ins Gewicht fallend war der Zuwachs der NPD-Stimmen. Mit einem Anstieg von mageren 0,1 % konnte die neonazistische Partei 180 Wähler_Innen mehr davon überzeugen, für sie zu stimmen. Summa summarum wählten lediglich 1025 Düsseldorfer_innen die NPD, was 0,4 % entspricht.

    Andere reaktionäre Kleinstparteien wie die verschwörungsideologische und antisemitische „Partei der Vernunft“ (pdv) oder die christlich-fundamentalistische „AUF“ (siehe Auswertung bei „Reflexion“) hielten ihren Kurs Richtung Neuschwabenland/Garten Eden, also weiter in die völlige wahltechnische Bedeutungslosigkeit.

    Alle Angaben ohne Gewähr, die zahlenmäßigen Stimmenangaben berufen sich auf das „Amt für Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Düsseldorf“.

    AIPD im Mai 2012

    Wahlkampf der extremen Rechten

    In dieser Woche führte die extreme Rechte wegen der NRW-Landtagswahl zwei Wahlkampfveranstaltungen in der Landeshauptstadt durch.

    Der nordrhein-westfälische NPD-Landesverband hatte am 2. Mai eine Kundgebungstour unter dem Motto „Raus aus dem Euro!“ gestartet.
    Am Mittwochnachmittag beteiligten sich etwa 13 Mitglieder und Sympathisanten der NPD an einer einstündigen Kundgebung auf dem Heinrich-Heine-Platz in der Altstadt. Dabei hielten der Parteivorsitzende Holger Apfel und der NRW-Landeschef Claus Cremer kurze Reden. Wie zuvor in Wuppertal und Solingen, wurde die Kundgebung in der Landeshauptstadt u.a. von Michael Schnorr (NPD Wuppertal), Markus Schumacher und Christopher Krumtünger (NPD Bochum/Wattenscheid) unterstützt.
    Die Düsseldorfer Wahlkämpfer Manfred Breidbach, Andreas Büchner und Kurt Schöfisch versuchten Propaganda ihrer Partei an Passant_innen zu verteilen oder waren mit dem Zeigen dieser beschäftigt.

    Bericht NRW rechtsaußen

    Die extrem rechte Partei „pro NRW“ hatte im Rahmen ihrer muslimfeindlichen „Moschee-Tour“ beabsichtigt am 4. Mai eine Kundgebung an der DITIB-Moschee in Düsseldorf-Derendorf abzuhalten.
    Vor dem islamischen Gotteshaus ließ man die etwa 20 Rechtspopulist_innen allerdings nicht auftreten. Auf der Eisenbahnbrücke Münsterstraße erwirkte der rechtspopulistsiche Wanderzirkus bis auf Verkehrsbehinderungen kaum Außenwirkung, denn die Straße wurde von beiden Seiten gesperrt.
    Mehr als 150 Menschen protestierten gegen die Rassist_innen von Pro NRW.
    Der lokale Kreisvorsitzende Manfred Linn hielt keine Rede – dafür der „pro Köln“-Stadtrat Jörg Uckermann und die beiden „pro Deutschland“-Mitglieder Lars Seidensticker und Mario Malonn.

    Unter den großteils angereisten „Tourneeteilnehmer_innen“ befand sich ein Jugendlicher, der vor nicht langer Zeit auch an Veranstaltungen der NPD und anderer Neonazis teilnahm (z.B. am 10. März 2012 in Kempen).

    Rechts von Jörg Uckermann (unter der Fahne)

    Bericht bei der Westen

    Im Gegensatz zur „Freiheit statt Islam“-Tour von „Pro NRW“ hatte die NPD ihre Kundgebungen – wohl aus Angst vor Protesten – nicht im Detail angekündigt.

    Hier noch einmal der Hinweis auf eine Telefonnummer antifaschistischer Gruppen (01573-6252709) unter der Neonaziaktivitäten in Düsseldorf gemeldet werden können.

    4. StandUp!-Cup

    Am 9. Juni wird auf dem Sportgelände der Heinrich-Heine-Universität zum 4. Mal in Folge das jährlich stattfindende antirassistische Fußballturnier „StandUp!-Cup“ ausgetragen.

    Weitere Infos & Anmeldungen gibt es auf der Website
    www.standup-cup.org.

    Rechtspopulistische Kundgebung am 4. Mai

    Derzeit „tourt“ die extrem rechte Partei „Pro NRW“ wegen des vorgezogenen Landtagswahlkampfes durch verschiedene Städte.
    Unter anderem ist für Freitag, den 4. Mai ab 17 Uhr eine Veranstaltung rechtspopulistischen Inhalts vor der DITIB-Moschee an der Münsterstraße 199 in Düsseldorf-Derendorf angekündigt. Möglicherweise werden dabei, neben den üblichen Gesichtern, auch Manfred Linn (KV-Vorsitzender) und Gieselfalk Gebel – zwei Düsseldorfer Kandidaten der „Pro NRW“-Landesliste – erscheinen. (more…)

    Razzia gegen Neonazis in NRW – auch in Düsseldorf

    Nach dem öffentlichkeitswirksamen Vorgehen des Staates gegen die Neonazi-Struktur “Aktionsbüro Mittelrhein” im März, sah sich die extreme Rechte in NRW heute mit einer erneuten Großrazzia konfrontiert:
    Staatsdiener durchsuchten in Radevormwald, Wuppertal, Düsseldorf und Essen über zwanzig Objekte – unter anderem das Fraktionsbüro der rechtspopulistischen Partei “Pro NRW” in Radevormwald. Drei Hausdurchsuchungen fanden in Wuppertal, sechzehn in Radevormwald, eine in Essen und eine weitere in Düsseldorf-Holthausen statt: Bei der Durchsuchung in der Landeshauptstadt sei ein 23 Jahre alter Neonazi aus Wuppertal in der Wohnung eines 16-jährigen Neonazis an der Itterstraße, vorübergehend festgenommen worden.[1] [6]

    Im Zuge der Aktion, die sich speziell gegen die „Kameradschaft“ “Freundeskreis Rade” richtete, seien insgesamt drei Haftbefehle vollstreckt worden, wie verschiedene Medien übereinstimmend berichteten.[2] Bei zwei der Verhafteten Personen soll es sich um Mitglieder der “Bürgerbewegung” handeln. Insgesamt ermittelt die Polizei gegen 18 mutmaßliche Mitglieder des „Freundeskreis Rade“ – darunter der Radevormwalder Ratsherr Tobias Ronsdorf (pro NRW). Zudem besaß der „Freundeskreis“ ersten Ermittlungen zufolge die „Schlüsselgewalt über die Fraktionsräume“ von Pro NRW in Radevormwald und habe die dortigen „Kommunikationsmittel genutzt“, bestätigte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn. Zugriff auf das örtliche Fraktionskonto von Pro NRW sollen die Neonazis ebenfalls gehabt haben.[3]

    Beschlagnahmt wurden neben Datenträgern und Neo-Nazi-Devotionalien außerdem Gewehre, Pistolen, Schwerter, Messer und weitere Waffen.
    Polizei und Staatsanwaltschaft werfen den Verdächtigen u.a. die “Bildung einer kriminellen Vereinigung”, mehrere Arten von Gewaltdelikten wie z.B. gefährliche Körperverletzung und die Verbreitung rechtsradikaler Propaganda vor.

    Die Frage weshalb die Ermittler_Innen erst jetzt tätig wurden, stellt sich in Anbetracht der annähernd 30 Einzelverfahren gegen die mutmaßlichen Mitglieder der Neonazigruppierung.
    Bereits im September des vergangenen Jahres wies der antifaschistische Blog “Baulemania” auf die Gewalttätigkeit der Mitglieder des “Freundeskreis Rade” hin[4] – bis zum heutigen Tag unternahmen die Behörden jedoch nichts Nennenswertes. Antifaschist_Innen werden von diesen nicht nur nicht ernst genommen, sondern auch mit den Neonazis in einen Topf geworfen.
    Dies und die Tatsache, dass die rechtliche Grundlage für die heutige Razzia auch eins zu eins gegen Antifa-Gruppen eingesetzt werden könnte, verleiht dem heutigen Schlag gegen die radikale Rechte einen bitteren Nachgeschmack.

    Am Mittwochabend reagierten rund 50 Neonazis mit einer Demonstration in Wuppertal auf die Razzien.[5]

    Weiterführende Informationen zu den Akteur_Innen des “Freundeskreis Rade” finden sich auch in der aktuellen LOTTA #47 auf Seite 22-23 (Zwischen »Kameradschaft« und »pro NRW« Die extrem rechte Szene in Radevormwald).

    1. [1] http://www.wz-newsline.de/lokales/wuppertal/neonazi-razzia-in-drei-wuppertaler-wohnungen-1.969507 [zurück]
    2. [2] http://www.wdr.de/themen/politik/razzia108.html [zurück]
    3. [3] http://www.ksta.de/html/artikel/1335257930739.shtml [zurück]
    4. [4] http://aow.blogsport.de/2011/09/22/freundeskreis-radevormwald-wieder-aktiv/ [zurück]
    5. [5] http://nrwrex.wordpress.com/2012/04/25/wgm-50-neonazis-bei-demo-in-barmen/ [zurück]
    6. [6] NRZ Düsseldorf: AUCH DÜSSELDORF HAT AKTIVE NAZIS (26.04.2012) [zurück]


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